Nachhaltiger Genuss: Bio-Wein von der Hessischen Bergstraße

Tauschten sich gemeinsam zum Thema ökologischer Weinanbau aus: (v.l.n.r.) Landrat Christian Engelhardt, Reiner Pfuhl (Klimaschutzmanager des Kreises Bergstraße), Corinna Simeth (Leiterin der Abteilung Kreisentwicklung und Grundsatz beim Kreis Bergstraße) und Gerold Hartmann (Gründer der Winzergemeinschaft Feligreno).

Kreis Bergstraße (kb). Die hessische Bergstraße ist das kleinste Weinanbaugebiet Deutschlands. Die einzigartigen Böden hier bringen viele köstliche Tropfen hervor. Es gibt sogar Wein in Bio-Qualität aus der Region: Diesen baut die Winzergemeinschaft Feligreno in Zwingenberg an. Wie das funktioniert und welche Besonderheiten den ökologischen Weinanbau ausmachen, darüber informierte sich Landrat Christian Engelhardt vor Kurzem vor Ort bei Gerold Hartmann und Jannik Jährling. „Unsere Region hat eine riesige kulinarische Vielfalt zu bieten. Wein, Erdbeeren und Spargel sind nur ein paar der hochwertigen und beliebten Köstlichkeiten aus unserer Region“, betonte Landrat Christian Engelhardt. „Obst, Gemüse, Getreide und andere Lebensmittel sollten dabei jedoch nicht nur lecker, sondern auch möglichst nachhaltig sein. Denn so stellen wir sicher, dass der Kreis Bergstraße solch essbare Schätze auch für zukünftige Generationen bereithält und dass wir unseren Kindern sowie Enkelinnen und Enkeln eine weiterhin lebens- und liebenswerte Region hinterlassen.“ Nachhaltig seien dabei beispielsweise saisonale Produkte aus der Region – idealerweise zudem in Bioqualität. All diese Eigenschaften – saisonal, regional, ökologisch angebaut und noch dazu schmackhaft – vereint auch der Bio-Wein aus Zwingenberg.

In den Steilhängen der „Alten Burg“ zeigten Gerold Hartmann, Gründer der Winzergemeinschaft Feligreno, und sein Nachfolger Jannick Jährling dem Bergsträßer Landrat, was es bedeutet, einen Weinberg in Steillage unter ökologischen Bedingungen zu bewirtschaften. So ist der Berg zum Beispiel zu steil, um die Wiese zwischen den Rebstöcken mit einem Rasenmäher zu bewirtschaften. Deshalb „pflegt“ eine Gruppe Ushant-Schafe, eine genügsame Zwergschafrasse aus der Bretagne, den Unterstockbereich im Weinberg, sodass das Gras nicht zu hoch wird. Auch herkömmliche Pflanzenschutzmittel dürfen die Bio-Winzer in ihrem Weinberg nicht einsetzen. Deshalb setzen sie auf möglichst robuste Rebsorten. „Den Kundinnen und Kunden ist es vor allem wichtig, dass ihr Wein frei von Schadstoffen ist“, weiß Gerold Hartmann. „Wir haben einen ganzheitlichen Blick auf unseren Bioweinberg und achten darauf, dass der gesamte Anbauzyklus sowie die Weinbergnutzung nachhaltig und ökologisch sind. Durch unseren schonenden Umgang mit Flora und Fauna hier vor Ort, bemühen wir uns, einen Beitrag zur Biodiversität zu leisten.“

Die Winzergemeinschaft Feligreno gibt es bereits seit 2001. 2007 hat sie ihren Weinanbau auf „bio“ umgestellt und konnte 2010 ihren ersten Wein in Bioqualität keltern. Im Jahr 2020 beschloss der gelernte Koch Jannick Jährling, sich eine Auszeit von seinem Beruf zu nehmen und stattdessen das Leben und Arbeiten im Weinberg kennenzulernen. Aus der gemeinsamen Arbeit mit Gerold Hartmann wuchs eine tiefe Verbundenheit, sodass Jährling Anfang 2022 den Weinberg in Zwingenberg hauptverantwortlich übernahm. Dort bewirtschaften die beiden Winzergenerationen die Flächen nun gemeinsam, sodass Jannick Jährling von dem jahrelangen Erfahrungsschatz seines Vorgängers profitieren und lernen kann. Hartmann und Jährling bedauern, dass der Bio-Weinanbau in Deutschland bis dato nur ein Nischenleben fristet. Sie hoffen, durch ihre Arbeit als gutes Vorbild für andere Winzer dienen zu können, sodass der ökologische Weinanbau in der Region und in Deutschland in Zukunft verstärkt umgesetzt wird. Denn Feligreno zeigt: Ökologischer Weinanbau funktioniert und schmeckt vor allem auch.